Ochsenbauer meets Sokal
Play
Bassists
„Some Of My Best Friends Are …“ nannte Ray Brown eine Reihe von
CDs, die in den letzten Jahren seines Lebens erschienen „…
Bassists“ würde Johannes Ochsenbauer hier schlicht ergänzen. Sein
neues Projekt spricht für das Selbstbewusstsein des jungen
Tieftonmeisters: Ausschließlich Kompositionen von Bassisten stehen
auf dem Programm, großflächig angelegt in der stilistischen
Bandbreite. Gemeinsam mit dem sensibel agierenden Michael Keul am
Schlagzeug, dem exzellenten Pianisten Tizian Jost und
Saxophon-Star Harry Sokal (Depart, Vienna Art Orchestra) frönt
Johannes Ochsenbauer in fein swingender Spielkultur dem von Bill
Evans inspirierten Ideal jener gleichberechtigten Kommunikation,
in der alle Individuen zu einem Ganzen verschmelzen. Das dies mehr
als die Summe seiner Teile ist, verdankt es ganz wesentlich der
selbstbewussten Kreativität und sanften Energie der tiefen Töne.
Dr. Tobias Böcker
Der 1954 geborene Harry Sokal gehört mit Sicherheit zu den
wichtigsten “Post Coltrane“ Saxophonisten in Europa. Neben seiner
Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von großen europäischen und
amerikanischen Jazzmusikern wie Art Blakey, Dave Holland, Terje
Rypal, Daniel Humair, Michel Portal, Mike Richmond, Minu Cinelu,
Friedrich Gulda, Idris Muhammad, Joe Zawinul, Harry Pepl, Jene
Jackson, Andy Mc Kee, wie auch seit 1977 als Gründungsmitglied des
Vienna Art Orchestra und Mitglied des legendären Art Farmer
Quintetts von 1979-1999, initiierte und leitete er eine Vielzahl von
Projekten mit nationalen und internationalen Musikern wie auch seine
eigenen Projekte: Harry Sokal Full Circle, Harry Sokal Roots Ahead
und sein Projekt „Depart“. 2005 wurde Harry Sokal als Musiker des
Jahres mit dem Hans Koller Preis ausgezeichnet.
Johannes
Ochsenbauer
(Jahrgang
1982) studierte Jazzkontrabass bei Paulo Cardoso und klassischen
Kontrabass bei Prof. Cajus Oana an der Musikhochschule und am
Richard Strauss Konservatorium in München (Diploma mit
Auszeichnung). Er nahm Unterricht/Masterclasses u. a. bei Ron Carter
und Charlie Haden. Mit verschiedenen Ensembles konzertiert er im In-
und Ausland (z.B. mit Leszek Zadlo, Claus Reichstaller, Lorenzo
Perocca) und wird regelmäßig für CD-, Rundfunk- und
Fernsehproduktionen engagiert.
Chuck Israels: “I’m so impressed by your beautiful sound and your
perfect pitch and technic! That’s great bassplaying!”
Ron McClure: “You are my kind of bass player!!! …You have a strong
time and you play with a strong sense of melody!...”
Tizian Jost
Der Pianist Tizian Jost hat sich im Laufe seiner 20-jährigen
Karriere zu einem der gefragtesten Musiker seines Genres im
süddeutschen Raum entwickelt. Bekannt wurde er zunächst als jüngstes
Mitglied der “Harald Rüschenbaum Big Band“, in der er von 1986 bis
1990 mitwirkte. 1990 gründete er dann mit der brasilianischen Sängerin
Lygia Campos die Band “Domundo“, in der sich seine Liebe zur
brasilianischen Musik manifestierte. Im Jahre 1995 wurde er mit 28
Jahren Dozent für das Hauptfach Jazz-Klavier am
Richard-Strauss-Konservatorium in München (nun Musikhochschule
München). Zahllose Bands und Künstler, vom “Wine & Roses Swing
Orchestra“ über Mark Murphy bis zu Till Brönner, nutzen Josts
wundervollen Ton und harmonischen Einfallsreichtum.
Michael Keul
studierte an der "Swiss Jazz School" in Bern bei Billie Brooks
(USA) und verbrachte mehrere Studienaufenthalte in New York. Seit 1988
ist er ein fester Bestandteil der Münchner Jazzszene und einer der
meistbeschäftigten Jazzschlagzeuger Süddeutschlands. 1991 wurde er
festes Mitglied der Al Porcino Big Band. Neben seiner Tätigkeit als
Dozent auf mehreren Jazzworkshops spielte Michael Keul seit 1985 bei
Konzerten, Festivals, Theater-, LP- und CD-Produktionen, sowie
Rundfunk- und Fernsehaufzeichnungen im In- und Ausland unter anderem
mit Chet Baker, Clark Terry, Woody Shaw, James Moody, Red Holloway,
Sal Nistico, der Al Porcino Big Band, Conte Candoli, Houston Person,
Charlie Mariano, Dusko Goykovic, Joe Haider, Joe Kienemann um nur
einige nennen.
Augsburger Allgemeine am 9.12.2010
Erstklassig
Der Bassist fristet auf Bühnen ein eher hintergründiges Dasein. Als
sogenannter Nebenmann kommt er selten zum Zuge, die meiste Zeit
begleitet er. So essenziell diese Tätigkeit auch sein mag, so
erfreulich ist es nun, dass ein junger Musiker der tief tönenden Zunft
sich aufmacht, sein Instrument ins Rampenlicht zu bringen. Genau das
hat Johannes Ochsenbauer mit seinem wundervollen Projekt „Bass
Player’s Delight“, das in der Galeria Cervino auftrat, getan.
Das funktionierende Konzept, von erstklassigen Musikern ausgeführt,
beschränkte sich im Repertoire ausschließlich auf Kompositionen, die
von Bassisten verfasst wurden. So donnerte zu Beginn - einem Weckruf
gleich - Jump Monk von Charles Mingus über die Zuhörer hinweg. Ein
Uptempo-Swing, zu dem Harry Sokal (Tenor- und Sopransaxofon) sogleich
mit kraftvoll-warmem Tenorton in die Vollen ging. Der prägnante Stil
des Vienna-Art-Orchestra-Mitgliedes lag irgendwo zwischen John
Coltrane und Stan Getz, eingängig, gefühlvoll und eigenwillig.
In der balladesken Miss Morgan von Sam Jones lieferte Ochsenbauer, der
gemeinsam mit Schlagzeuger Michael Keul eine unglaublich geradlinige
Basis für die Soli seiner musikalischen Partner legte, ein
eindrucksvolles Beispiel seines machtvollen Spiels. Pianist Tizian
Jost brillierte indes mit stilistischer Vielfalt im Intro zu Mingus’
Ballade Celia.
Den harten Bruch förderte Sokal in der modalen Komposition Nimbus von
Ron McClure zutage, seine Improvisation ganz gegen die Gewohnheit
disharmonisch angelegt; ein großartiger Schachzug, der für gehörige
Reibung sorgte.
Das von interessanten Interpretationen und spannenden dynamischen
Bögen getragene Konzert, das mit erfrischend unbekannten Stücken
aufwartete, war wie geschaffen, die winterliche Müdigkeit aus den
Knochen zu treiben. Es war spannend, dynamisch, progressiv. Oder
einfach: erstklassig.
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