Walter Lang Baroque Jazz
Trio
From Bach to Händel
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Walter Lang (p)
Henning Sieverts (b)
Rick Hollander (dr)
Walter Lang:
geboren 1961, stammt aus einer musikalischen Familie: Bereits Vater und Großvater spielten Akkordeon und Klavier. Er studierte Jazzpiano und Komposition an der Berklee School of Music in Boston und mit Abschluss an der Amsterdam School of Arts.
1988 war Walter Lang Mitbegründer des renommierten und international sehr erfolgreichen Rick Hollander Quartets. Das Quartet gewann 1990 in Belgien den „Europ‘ Jazz Contest“ in Hoeilaart und veröffentlichte zahlreiche Alben.
Im Jahre 2005 gründete er zusammen mit Gerwin Eisenhauer am Schlagzeug und Sven Faller am Kontrabass das Trio ELF. Die erste CD "ELF" wurde durch ENJA Records veröffentlicht und war ein großer Erfolg, im September 2008 erschien die Trio ELF CD "746"
Seine aktuellen Projekte sind neben „Trio ELF“ und dem „Walter Lang Trio mit Lee Konitz“, das „World Percussion Ensemble“ und „Marco Lobo e Convidados“.
Walter Lang spielt außer
mit Lee Konitz mit weiteren Größen wie James Moody, Chico Freeman, Don Menza
und TopsolistInnen wie Lisa Wahlandt, Jenny Evans und Dusko Goykovich.
Langs Klavierspiel adaptiert behutsam klassisch impressionistische
Ornamentierungen im weich swingenden Gewand und fügt sie zu einem
farbenprächtigen Harmoniegebäude zusammen. Diese Kombination von Klassik,
Traditional und Jazz, von Improvisation und Kommunikation, von dem
„Sich-Verlieren“ und in einem explosiven Gemisch „Sich-Wiederfinden“,
das hatte schon fast etwas Emotional-Akademisches. Das zeigte etwas von großer
künstlerischer Attraktivität und musikalischem Phänomen.
AZ
Die Kompositionen des Pianisten Walter Lang sind regelrechte Kunstwerke, die
getragen von einem unglaublich intensiven Spannungsbogen Elemente des
europäischen und amerikanischen Jazz in sich bergen, die Atmosphären
vermitteln und somit prägenden Charakter einer expressiven Erzählkunst
erhalten. Dabei unterstützen den genialen und intellektuellen Pianisten seine
zwei langjährigen Mitmusiker.
Dieter Gebhardt Bietigheimer Zeitung
Langs liebenswerte Kompositionen haben jene Qualität, die viele große Musik
auszeichnet: Sie unterhalten schon beim ersten Hören, erschließen aber mit
jedem weiteren immer tieferen Sinn.
Die meist mehrteiligen Stücke bewegten sich stilistisch zwischen Latin,
Hardbop, Cool und Free Jazz, durchwachsen mit Elementen moderner Klassik und
romantisch-liedhaften Passagen, wobei jeweils ein individueller Klangcharakter
herauszuhören war, geprägt von Walter Langs persönlichem Stil. Typisch für
viele Stücke war der Wechsel zwischen Lyrik und Expressivität, meist
verbunden mit zunehmender Verdichtung der Klangstrukturen bis hin zum freien
Spiel.
S.R. Fono Forum
Stimmungen, Schwingungen, Spannungsbögen und eine unvergleichlich dichte
Atmosphäre: Walter Lang gelingt es, aus überschaubaren und nachvollziehbaren
musikalischen Grundideen kleine Meisterwerke expresiver Erzählkunst zu
schmieden in einer Symbiose von amerikanischen und europäischen Einflüssen
und in ganz persönlichem Erzählgestus.
Neuburger Rundschau
Walter Lang Baroque Jazz Trio (21.09.2006)
Dr. Tobias Böcker, „NR“
Mit sanften Exkursen zwischen den Genres ließ das Walter Lang Trio beim
diesjährigen Crossover-Konzert im Neuburger Jazzclub dem Schubladendenken
keine Chance. Selbst die eingefleischtesten Klassik-Fans waren angetan von der
Art Baroque des Jazztrios beim traditionell jazzigen Auftakt der diesjährigen
Barockkonzerte.
Nun ist es ja spätestens seit Jacques Loussiers „Play Bach“ oder Dave
Brubecks „Blue Rondo a la Turk“ weder ein Sakrileg noch ein Geheimnis, dass
sich klassische Werke hervorragend der swingenden Interpretation und
Improvisation erschließen. Auch im Birdland Jazzclub wurde ja in den
vergangenen Jahren so manch gelungener Brückenschlag vollendet. Wie
selbstverständlich jedoch Walter Lang am Piano, Henning Sieverts am Bass und
Rick Hollander am Schlagzeug in den Geist der barocken Kompositionen eintauchen
und sie sich im Idiom des Jazzpiano-Trios zu eigen machen, das hat noch einmal
eine sehr eigene Qualität.
Das Geheimnis liegt in der behutsamen Konzeption, die sich in keinem Moment von
der Substanz der Komposition löst, die jedoch gleichzeitig den Raum
erschließt und mit sanftem Schritt durchmisst, den die Werke der Improvisation
gewähren. Kaum je lagen klassische Interpretation und jazzige Improvisation so
nah beieinander wie an diesem Abend, der sich ganz in den Dienst der gespielten
Kompositionen stellte.
Das fängt an mit Johann Sebastian Bachs Bourée BWV 996, setzt sich fort mit
einer Air aus Henry Purcells King Arthur, bleibt in eins mit sich selbst mit
Walter Langs eigener Komposition „Monsieur Hulot“, lässt Liebe, Freude,
Glauben zu Klang werden mit John Dowland, Georg Friedrich Händel und Johann
Sebastian Bach. Rick Hollander lotet die rhythmischen Strukturen aus, lässt
allen Eventualitäten Raum mit federfeinen Besen, Henning Sieverts erkundet
geduldig und mit coolem Groove harmonische Varianten einer jazzigen Variante
des Generalbasses und Walter Lang verzaubert die Tasten des Bösendorfers mit
seinem unnachahmlich kultivierten Anschlag in Klänge von suggestiver
Sogwirkung, die alle Grenzen überwindet zugunsten einer humanen Sensibilität.
Ein Abend der leisen Töne in der Jazztradition des Bill Evans Trios, zum
Zuhören, Genießen, Entspannen und vor allem: zum Zuklappen aller
Schubladen.
Henning
Sieverts
gehört zu den gefragtesten Bassisten in Europa. Er gewann den Jazz Echo 2010
in der Kategorie: Bester Bassist des Jahres.
Sieverts erhielt den Musikförderpreis der Stadt München und gewann den Preis
der International Society of Bassists; 1994 wurde er mit dem Bayerischen
Staatspreis ausgezeichnet.
Mit seinem Trio (Bill Elgart und Rudi Mahall) veröffentlichte er eine CD unter
eigenem Namen. Er unternahm Tourneen in die USA, Australien und Portugal. Er
arbeitete mit Benny Bailey, Jim Black, Robin Eubanks, Frank Foster und
Christoph Lauer zusammen.
Rick Hollander
Der flinke, die Gadanken seiner Mitspieler stets im voraus erahnende
amerikanische Drummer vervollständigt das Trio.
Rick Hollander lebt seit 1987 in Europa und war unter anderen mit folgenden
Kollegen zu hören: Tim Hagans, Woody Shaw, Cameron Brown, Roy Hargrove.
Rick gilt als einer der versiertesten Schlagzeuger Europas. Er beherrscht das
Spiel mit den Besen wie kein anderer und arbeitet die Stimmungshöhe der Musik
mit unvergleichlicher Effizienz heraus.
BAROQUE JAZZ TRIO
von Reinhard Köchl
Es klingt so einfach, gehört aber mit zu den schwierigsten Übungen: Ein
Jazzmusiker greift sich ein Thema, spielt es einmal, vergisst es wieder,
behält allenfalls die Harmonien und zimmert etwas völlig Neues, etwas ganz
Anderes daraus. Selbst Johann Sebastian Bach hat manchmal so gearbeitet,
Mozart, Beethoven, Chopin oder Bruckner gaben sich gerne ihren „Fantasien“
am Klavier hin, in Frankreich waren es Cesar Franck, Charles-Marie Widor und
Louis Vierne, die sich immer wieder von Notenblättern lösten und ihre
Zuhörer überraschten. Die Erkenntnis, dass Improvisation einen kaum
bekannten, gleichwohl jedoch bedeutenden Impuls des Barock darstellte, gewinnt
auch in Klassikkreisen immer mehr Raum.
Eine Chance. Mithin die tragfähigste Brücke innerhalb einer mittlerweile
ziemlich ermüdenden Diskussion, ob Jazz und Klassik nun wirklich miteinander
können. Vielleicht. Manchmal. Wirklich ? Ein entschiedenes Jein, ein beherztes
Achselzucken, euphorische Ratlosigkeit. Und wie soll man das Ganze überhaupt
nennen ? Crossover ? Fussion ? Klassikjazz ? Die Antwort steckt nicht etwa in
neuen oder alten Schubladen, sondern alleine in Personen. In Musikern wie
Walter Lang, Henning Sieverts und Rick Hollander. In Formationen wie dem
Baroque Jazz Trio. Weil es sich auf erfrischende Weise einen feuchten Kehricht
um überflüssige Fragen wie diese schert. Zwar oberflächlich „nur“ wieder
eines dieser vielen gleichschenkligen instrumentalen Dreiecke, die
normalerweise in Szenelokalen direkt neben der Herrentoilette ihr mühsames
Berieselungshandwerk versehen müssen. Aber schon vom Ansatz her eine Allianz
der kompatiblen Kontraste. Eine Gruppe, die unbefangen und erfinderisch mit
Noten, Klängen, Stimmungen , Atmosphären und Erfahrungen jongliert.
Verständigung, Neugier, gemeinsames Suchen. Ein Prozess mit völlig offenem
Ausgang. Nichts kann vorhergesagt, nichts korrigiert werden. Warum denken
andere Musiker nicht genauso, wenn sie sich in das verminte Grenzgebiet von
Jazz und Klassik vorwagen?
Lang liebt von jeher riskante Grenzgänge. Die Musik des Stummfilm-Giganten
Charlie Chaplin oder die Kompositionen der Beatles verpflanzte er ebenso
beherzt und würdevoll in eine fremde Umgebung, wie die Werke von Robert
Schumann und Franz Schubert. Wobei sich der Jazzmusiker reinsten Wassers
niemals brüsk über das Original hinwegsetzen würde. Ihm geht es schlichtweg
um das Ausloten natürlicher Grenzen, um die Freiheit, Musik einfach laufen zu
lassen, sie dem jeweiligen Augenblick zu überantworten. Ein Spiel mit Noten,
aber auch spontanen Einfällen, von Synthesen, Fragmenten, Eindrücken,
Gefühlen, Zitaten, Verfremdungen, Anleihen, Grau- und Blautönen,
Erinnerungen. Wie jenes verschütt gegangene Bild, da Walter Lang bei der
Arbeit an den Barockthemen urplötzlich wieder vor Augen kam - „Als Kind habe
ich jeden Sonntag in der evangelischen Kirche in unserem damaligen Wohnort
Lorch in Württemberg dem Kantor und dem Posaunenchor zugehört. Das alles trat
jetzt wieder zum Vorschein. Und es traf einen Punkt, der mich schon immer tief
berührte.“
Das Leise, Behutsame, die schönen, bewegenden Melodien. Schlichtheit heißt
das Zauberwort, die Konzentration auf das wirklich Wesentliche. Keine
verschachtelten Arrangements und affektierten Instrumentalkunststückchen, kein
überflüssiger Ton, kein trendiger Groove.
Dafür klare, übersichtlichere Strukturen. Wärme. Wie ein wolkenloser,
sternübersäter Nachthimmel.
Herrliche Melodieströme, die prickeln wie kühler Regen auf heißer Haut. So
lässt sich das Eingeständnis, in Wahrheit ein Gefühlsmensch zu sein, auch
für Menschen mit einem dicken rationalen Schutzpanzer besser ertragen. Hier
wird nichts in unerträglicher „Play Bach“- Manier zerswingt, nicht steril
auf modern gepeppt. Die drei Musiker lassen „Mein gläubiges Herze,
frohlocke“ aus der BWV Kantate Nr. 68 oder Händels „Largo“ würdevoll in
ihren Originalharmonien funkeln. Der Song als ästhetisches Haus, als
künstlerische Einheit: Lang, Sieverts und Holländer halten sich strikt an
diesen Grundsatz, bauen um die einzelnen Titel herum ihre eigenen Deutungen.
„Du sollst werden, der du bist“, hatte Friedrich Nietzsche 1882 in seiner
„Fröhlichen Wissenschaft“ gefordert. Wie Lang der wurde, der er ist,
lässt sich einfach nachvollziehen: Ähnlich wie Bach, Michelangelo oder Thomas
Mann zieht auch der eigenwillige Kopf seine Lust aus einem ausgeprägten
Formsinn. Dieser lässt ihn formen und formt ihn selbst. Und es sind
traditionelle Tugenden, an denen er sich dabei orientiert. Denn dass Profil und
Einzigartigkeit überhaupt nichts mit Schaumschlägerei und Schnellschüssen zu
tun haben, sondern mit harter Arbeit, besitzt seit dem „per aspera ad
astra“, seid dem „durch Mühen zu den Sternen“ des alten Roms,
unvermindert Gültigkeit. Es ist Selbstkontrolle und Spontanität, das Pendel
zwischen Ordnung und Freiheit und die daraus resultierenden wunderbaren
musikalischen Resultate, die einem allerhöchsten Respekt abringen.
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